Jakobsweg

Wednesday, October 26, 2005

38. Reisetag Santiago Aeroporto - Gümligen



(Flug in den Morgen)

Santiago Aeroporto - Gümligen

Wecker, Uhr und Telefon wecken mich praktisch zur selben Zeit: Heute wird die Zeit meiner Reise zu Ende gehen. Am Flugplatz noch schnell ein Frühstück und boarden. 10 Minuten vor der eigentlichen Abflugzeit rollt die Maschine schon zum Runway 17. Der Flug nach Barcelona ist ein Flug in ein faszinierendes Morgenlicht.

Von Barcelona geht es weiter nach Genf, wo ich gespannt auf mein Velo warte. Ein etwas havarierter Carton wird mit dem extra grossen Förderband zu Tage gefördert. Da ich von mir nicht behaupten kann, ein technisches Genie zu sein, bin ich doch erstaunt wie schnell das Fahrrad farbereit wieder vor mir steht!

12.36 Uhr fährt der Zug nach Bern ab, wo ich knappe zwei Stunden später ankomme. Ich entlade mein Velo aus dem hintersten Wagen und will auf dem Perron zur Rampe ins Untergeschoss fahren. Ich müsse absteigen, sonst riskiere ich eine Busse von CHF 60, ertönt die bestimmte Stimme des Beamten, der sich vor mein Vorderrad stellt. Jetzt weiss ich mit Bestimmtheit, dass ich wieder in der Schweiz bin....

Ein eigenartiges Gefühl, mit dem bepackten Velo durch Bern und über die Kirchenfeldbrücke in Richtung Gümligen zu fahren. Nach dem Burgernziel ändern die Gedanke, ich werde eine Art wie unsicher: Ist nun die Unbeschwertheit (dieses Wort ist treffend) und die Sorglosigkeit der vergangenen fünfeinhalb Wochen am Ende angelangt?

Am Schubertweg 3 bin ich froh, meine geliebte Christine in die Arme schliessen zu können.

Tuesday, October 25, 2005

37. Reisetag Mein letzter Tag in Santiago




(Wiedersehen in Santiago mit Regina (lebt mit Kurt in Norwegen, nördlich des Polarkreises), René (aus Dänemark) und Kurt vor dem Hotel Entrecercas. Bauersfrauen am Markt in Santiago)

Mein letzter Tag in Santiago

Nach dem gemeinsamen Frühstück mit René im Hotel besuchen wir das Pilgermuseum, das in eindrücklicher Art und Weise die Geschichte des Jakobsweges aufzeigt. Absolut sehenswert. Anschliessend trennen wir uns. Ich kaufe noch einige Souvenirs für meine Liebsten und besuche - wie sich das für einen Beizer gehört - die Markthallen von Santiago. Am Mittag zieht es mich dann nochmals in die Kathedrale. Als ich um 12.30 Uhr dort eintreffe bin ich erstaunt, dass diese - nicht wie in den beiden Vortagen - "nur" zu 3/4 besetzt ist. Keine Weihrauch-"Show", keine Obladen. Heute ist alles anders. Als ich Ausschau nach René halte, finde ich ihn - neben dem Norweger-Ehepaar. Die Sage, dass man sich auf dem Pilgerweg wiedersieht, ist Wirklichkeit! Erfreut geniessen wir eine Flasche Gava. Es folgt ein gemeinsames Abschlussessen im Restaurant San Clemente, wo wir die einzigen Ausländer sind. Wiederum ist der Fisch lecker und der der Albarino Klasse. Wir verabschieden uns um 16 Uhr vor dem Hotel (siehe Foto) und hoffen, einander irgendwann wieder zu sehen.

Ich ziehe meine Regenkleider über, bepacke mein Stahlross und fahre die 12 km zum Flugplatz, um die Modalitäten bezüglich Aufgabe meines Velos zu klären. Da ich die notwendigen Imbusschlüssel (Allenkeys) zur allfälligen Demontage von Rädern, Pedalen, Sattel bei mir zu haben glaube, sollte dies eine reine Formsache werden. Ja häsch gmeint! Damit mein Velo in den 5 Euro Carton passt, muss ich nebst Vorderrad auch die Pedalen demontieren. Da ich - um Platz zu sparen - den Worten meines Velomechs Glauben geschenkt habe, dass mit der Schlüsselgrösse 1-5 sämtliche Schrauben zu öffnen sind, hatte ich Nr.6 zuhause gelassen. Genau diesen Schlüssel hätte es jedoch gebraucht, um die Pedalen zu entfernen. Grosszügigerweise hat Iberia auf dem Flugplatz eine Veloecke eingerichtet inkl. Werkzeug. Alles vorhanden ausser Schlüssel Nr. 6! Die Spanier sind freundliche Leute: der Herr von der Security holt bei den Maintenance-Leuten einen Schlüssel Nr. 6. Würg, würg..... hilft nichts. Auch mit Unterstützung des netten Herrn nicht. Mein Hemd ist mittlerweile so nass als wäre ich im Regen gestanden.

Nun im Regen stehe ich ja, mit meinem Velo, dessen Pedalen einfach nicht weg wollen! Nach einer weiteren Viertelstunde des Würgens und des zweimaligen Händewaschens (was wird Christine zu meinen Kleidern sagen?) kommt der nette Herr wieder vorbei und meint dass ich das Velo mit den Pedalen doch einfach in die Box würgen solle. Gesagt getan: Nach Demontage von beiden Rädern, Sattel und Schutzblech ist das Velo in diesem mittlerweile recht unförmigen Carton und bereit zum Check-in.

Zu Fuss gehe ich zum einen Kilometer entfernten Hotel, wo ich - endlich, nach langen Tagen des Fragens in vielen Restaurants - eine Gemüsesuppe und in der Folge eine Portion Spargeln (Grösse Cojonudos) mit einem letzten Glas Albarino geniesse und früh zu Bett gehe.

Monday, October 24, 2005

36. Reisetag Santiago!




















(Stimmungsbild mit Schirmen vor der Kathedrale)
Santiago!
Kurz nach 09 Uhr telefoniere ich mit Balz Stump bezüglich der Rückreise. Alternative zum Donnerstag Nachmittagsflug, bei welchem das Risiko besteht, dass ich Genf "strande", ist ein Morgenflug am Mittwoch. Das ist ja schon übermorgen! Plötzlich packt mich der Wunsch nach Hause zu kommen. 07.15 Santiago Departure. OK. Gebucht.
Nun aber die Frage bezüglich Finisterre: soll ich nun schnell mit dem Bus hinfahren um das "Ende der Welt" zu sehen und dafür kaum mehr Zeit für Santiago und seine Sehenswürdigkeiten haben? Nach einigem Hin und Her entscheide ich mich gegen eine Fahrt ans "Ende der Welt".
Die Altstadt von Santiago bietet viel an Sehehswertem. So zieht es mich am Mittag wieder in die Kathedrale um dieses monumentale Show der Pilgerpredigt um 12 Uhr nochmals mitzuerleben. Wiederum war die Kathedrale überfüllt. Um 12.40 Uhr kamen 8 Messdiener (kräftige erwachsene Männer) und zogen den ca 1 Meter grossen Weihrauchkessel an einem dicken Seil in die Höhe, brachten ihn zum Schwingen. René der Däne hatte mir am Vorabend erzählt, dass dieses Ritual, das gemäss den mir vorliegenden Führern nur an ganz bestimmten Tagen zelebriert wird, bereits am Sonntag erfolgte. Welch ein Glück für mich, dies nun erleben zu dürfen. Es ist schwer zu beschreiben und kaum vorstellbar, wie dieser Weihrauchkessel wie ein Pendel im Querschiff der Kathedrale zur Seite je ca 25 m (50 m gesamthaft) und vertikal vermutlich auch 25m bis knapp unter die Decke schwingt. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dieses Ritual, das von der wunderbaren Stimme einer Nonne begleitet wird, mir kalt den Rücken hinunterlief und sämtliche Haare zu Berg stehen liess. Ebenfalls beeindruckend ist es, während der Predigt die Verschiedenheit der Anwesenden zu beobachten: Die Pilger aus der ganzen Welt, die - ihre Rucksäcke und Wanderstöcke oder -stäbe neben den Bänken deponiert - teils erschöpft, alle aber andächtig der Zeremonie folgen, die gläubigen Spanier, teils mit den Gesichtern in ihren Händen, mit gefalteten Händen, teils in den Bänken kniend. Eindrücklich, was ich hier erlebe.
Wiederum treffe ich René, den es auch wieder in dieses Gotteshaus gezogen hat. Er wollte nochmals emporsteigen und am Rücken von Santiago die goldene Muschel berühren, nachdem er dort am Vortag ein wahres Kraftfeld gespürt hat. Das Erlebis habe sich wiederholt, jedoch nicht mehr in derselben Stärke, erzählte er mir nach der Zeremonie.
Am Abend trafen wir uns dann wieder um gemeinsam das Ende unserer Reise zu feiern. Ich wäre eigentlich gerne eine Paëlla essen gegangen. Er war eher für Fleisch und so entchieden wir uns für das Restauants des 5-Stern Hotels Paradores, direkt neben der Kathedrale. Wir liessen uns nicht lumpen und bestellten ein 6-Gang Menu mit einer feinen Flasche Ribera. Zum Abschluss des Abends setzten wir uns nochmals einige Minuten auf die Steimauer und genossen den - verregneten - Anblick der Kathedrale.

Sunday, October 23, 2005

35. Reisetag Melide - Santiago



















("Matamoros", Jakob als Morentöter, René aus Dänemark und ich beim Mittagessen in Santiago und die Kathedrale von Santiago)

Melide - Santiago
In Melida läuft was, besonders samstags: In der Pizzeria, wo ich um 21 Uhr als einer der ersten Gäste eintraf, kam die Dorfjugend um 22 Uhr, was für Spanien eine völlig normale Zeit zum Nachtessen ist. Als ich dann um 23 Uhr ins Bett stieg, ging die Geburtstagsparty im Restaurant des Hotels los und dauerte bis 03 Uhr. Trotzdem steige ich um 07.30 Uhr fit und motiviert aus dem Bett, esse mein Frühstück und fahre um 09 Uhr los. Noch 54 km, das sollte vor 12 Uhr - Beginn der Pilgerpredigt in der Kathedrale von Santiago - möglich sein.
Um 11.45 Uhr treffe ich vor der Kathedrale ein und bin erstaunt über den Menschenstrom, der sich ins Innere bewegt. Noch nie habe ich eine Kathedrale so überfüllt gesehen. In den Seitenkorridoren sind TV montiert, für diejenigen - wie ich - die keinen Platz mehr finden.
Die Athmosphäre in diesem Monumentalbau ist schon sehr beeindruckend. Nach dem Gottesdienst, während dem die Herkunft der heute angekommenen Pilger bekanntgegeben wird, gehe ich zum Pilgerhaus, um mein Zertifikat abzuholen. Da spricht mich doch tatsächlich einer mit Namen an. Es ist ein Däne, der ebenfalls mit dem Velo unterwegs ist und den ich in O Cebreiro kennenlernte. Kurz entschlossen gehen wir in ein Fischrestaurant und stossen auf unsere Pilgerreise mit einer feinen Flasche Albariño an. Die Seezunge ist so köstlich wie der Wein und "we have a good time".

Wie ich mich gefühlt habe? Nun auf der Fahrt juchzte ich einige Male und als ich an der Ortstafel Santiago vorbeifuhr, standen kurz alle Haare zu Berg, musste mich aber sofort wieder auf den Verkehr konzentrieren. Auf der Steinmauer des Praza do Obradoiro - umringt von beeindruckenden Monumenten - wurde mir klar, dass ich die 2'120 km hinter mir habe und liess die unvergesslichen 5 Wochen Revue passieren.

Was habe ich mitgenommen und was hat mich am meisten beeindruckt? Eine grosse Dankbarkeit empfinde ich. Dankbar für mein schönes Leben. Ich hatte während 5 Wochen ein kleines Guckloch in das Leben vieler Menschen und sehe wie privilegiert ich auf dieser Welt bin. Beeindruckt haben mich die Landschaften, die Düfte, die regionalen Lebensmittel und natürlich die vielen Monumente und Kunstwerke. Die Kirchen von Nasbinals, Fromista, die Kathedralen von Burgos und Santiago und das Museum von Santo Domingo. Was mich auch beeindruckt hat, dass in Spanien keine Bar ohne laufenden TV und Weihnachtslotterie-Lose gibt.

Wie geht es weiter? Eigentlich wollte ich morgen mit meinem Stahlross nach Finisterre fahren um die Reise am "Ende der Welt" (bis 1492) zu beenden. Die Wetterprognose ist jedoch für Dienstag und die folgenden Tage so schlecht, dass ich wahrscheinlich den Autobus nehmen werde. Balz Stump wird entscheiden, wann ich in die Schweiz zurückkehren werde. Irgendwann zwischen Mittwoch und Freitag.

Euch allen, die meinen Blog gelesen habt, danke ich für Eure Begleitung. Besonderen Dank all denjenigen, die mir einen Comment geschickt haben.

Es war eine schöne Zeit und ich werde Santiago und seine Kunstwerke noch bis zum letzten Tag geniessen.

PS: Natürlich werde ich mich von Finisterre melden....

Saturday, October 22, 2005

34. Reisetag Sarria - Melide















(Stausee von Portomarin)

Sarria - Melide
Das Hotel war wirklich Erholung pur. Es hatte sogar einen Hometrainer, aber ich fand einfach keine Zeit, eine halbe Stunde zu trampen....
Wieder nachts massive Niederschläge und am Morgen die Hoffnung, dass es das trockene Wetter anhalten möge. Und tatächlich, während einer ganzen Stunde regnet es nicht. Galizien erinnert an die Schweiz: Grüne Matten und eine sehr hügelige Landschaft (auf 65 km über 1000 Höhenmeter) Sehr viele Eichen und überall Kastanienbäume. Während den letzten Tagen habe ich viele Alte gesehen, die Kastanien für den Winter sammeln. Eine buckelige Alte erklärte mir heute, dass sie diese in Milch kochen und dann schälen um so zu essen. Die Kastanien reichten jeweils bis in den Frühling.
Um auf's Wetter zurück zu kommen: Nach einer Stunde setzte Nieselregen ein. Plötzlich wieder Sonne, dann plätzlich ein Platzregen: so richtig Herbst. Das Schlimme ist einfach die Sache mit dem Tenu. Mein Regenmaterial ist nicht aus Goretex, so dass ich nach einer Stunde im Regen troztdem bis auf die Haut nass bin, inkl. Socken, aber von innen heraus. Es ist jedoch zu frisch, um den Regenschutz nicht anzuziehen.
Ich bin überrascht, wie wenige Pilger unterwegs sind. Ich habe mir vorgestellt, dass es ein Menschenstrom sein würde.
Ich kann nicht mehr sagen, dass der Weg noch mein Ziel ist. Jetzt bin ich sehr auf Santiago und Kilometer fixiert. Noch 54 sind es. Hier auf dem Jakobsweg steht alle Kilometer ein Steinblock mit den verbleibenden Kilometern.
Ich fühle ein Veänderung in mir: Habe ich währen den vergangenen 5 Wochen so viel geträumt, wie wahrscheinlich noch nie. Anders war auch, dass ich die Träume am Morgen immer noch wusste. Die letzten 2 Nächte sind anders. Auch merke ich, dass ich mehr an die Schweiz resp. mein Umfeld in der Schweiz denke. Die Vorbereitungen für den Rückflug laufen auch schon.

Danke für die 3 Comments. Silvia fragt, ob ich nervös bin, am Vorabend der Einfahrt in Santiago. Eigentlich nicht mehr, aber gespannt auf Santiago.

Hier in Melide (ich bin nicht im Tessin) hat es ein Mueeum über die Kultur von Galizien. Leider ist es geschlossen, da es gerade umgebaut wird. Schade. Spanien hat es mir schon angetan. Ich finde es eine sehr interessante Nation. Gerne würde ich Madrid kennen lernen. Ich hoffe, dass dies mit Christine bald möglich sein wird.

Friday, October 21, 2005

33. Reisetag O Cebreiro - Sarria





















(Blick von O Cebreiro in das grüne Galizien. Kapelle Del Salvador mit mozarabischem Einfluss und 1000 jährier Zypresse in Samos)

O Cebreiro - Sarria

Wiederum hat es die ganze Nacht stark geregnet. Der Nebel ist etwas lichter geworden und der Regen hat etwas abgenommen. Vorsichtig fahre ich den Pass hinunter auf nasser Strasse und mit viel Gegenwind.
Bereits um 10 45 Uhr treffe ich in Samos ein, wo das Kloster San Xian de Samos und die kleine Kapelle Del Salvador stehen. Sehr freundliche Führung durch das Kloster. Besonders angetan bin ich vom barock-klassizistischen Retable der Kirche. Wandgemälde spanischer Künstler aus den frühen 60er Jahren zieren die Wände dieses 1951 durch einen Brand stark beschädigte Kloster. Ein kultureller Höhepunkt meiner Reise.

Um 13 Uhr erreiche ich Sarria, wo ich etwas Kleines esse und die Altstadt anschaue. Ich bin erschöpft. Die Beine schmerzen und der Himmel wird wieder schwarz. Der gestrige Tag hat mir meine Grenzen gezeigt. Also entschliesse ich mich, hier ein Hotel zu suchen. Heute schlage ich zu: Ich ziehe in einem 3*Hotel ein! Geniesse den Luxus in vollen Zügen. Momentan sitze ich in einem Spielsalon umgeben von der Dorfjugend, die auf 20 PC spielt, dazu raucht und laut ist. Jä nu....

Thursday, October 20, 2005

32. Reisetag Ponferrada - O Cebreiro



(Herbststimmung in einem Pappelwald)

Ponferrada - O Cebreiro

die ganze Nacht hindurch hat es geregnet - und wie. Am Morgen um 8 Uhr hört es auf! Das muss ein gutes Zeichen sein....Ich leide unter dem vielen Wein des Vorabends: Die Muskeln schmerzen.

Die Besichtigung der Bodega Estefania mit Jose Luis ist auf 9 Uhr angesagt. Beeindruckend, was man mit Geld machen kann. Die Besitzerfamilie ist eigentlich im Milchgeschäft tätig. Zusammen mit einem talentierten Winemaker aus dem Bierzo haben sie Rebberge gekauft und die alte Milchprodukte-Fabrik abgerissen um diese prachtvole Bodega zu bauen. Alle degustierten Weine sind hervorragend und zu empfehlen (Bezug Martel in St. Gallen).

Kurz nach Mittag fahre ich ab, mit dem Ziel Villafranca del Bierzo - ein sehenswertes Städtchen. Wieder einmal komme ich zur falschen Zeit an: 14.00 Uhr und die Kirchen, Museen und Infobüros haben geschlossen. Was tun? Das Wetter ist besser als erwartet. Ich fahre weiter, bis zum nächsten Ort mit einem Hotel. Dort entscheide ich mich für's Weiterfahren. So geht es weiter, bis ich das letzte Hotel vor der Passhöhe hinter mir habe. Noch 15 km und es beginnt zu regnen. Es wird immer steiler und regnet immer stärker. Dazu noch etwas Wind und das Ambiente ist perfekt. Jä nu, das muss man ja auch einmal erleben, aber weshalb gerade am steilen Cebreiro Pass, der mich von Castillo-Leon nach Galizien führt? Die Steigung auf den letzten 5 km bleibt bei 6 - 10%. Ich leide. 2 der 5 km schiebe ich. Der Nebel wird immer dichter und - ausser der Strasse auf schätzungsweise 20 m Länge - ist nichts zu sehen. Endlich, um 17 Uhr erreiche ich die Passhöhe. Dem Wegweiser folgend gelange ich an einem Bus mit deutschen Touristen vorbei zu einigen Steinhäusern. Musik aus einem Lautsprecher vor einem Souvenirladen. Ein Haus ist mit einem H bezeichnet. Bis auf den letzten Faden durchnässt trete ich ein und bekomme ein Zimmer. Entgegen meiner Gewohnheit frage ich nicht, ob ich es anschauen könnte. Wieso auch, bin ich doch froh, ein Dach über dem Kopf zu haben. Ein Zimmer? So stelle ich mir eine Mönchszelle vor. Bett, Stuhl, kleiner Tisch. Das Fenster ist ein besseres Guckloch, hinter einer Meter dicken Steinmauer. Aber eben - froh bin ich, eine Dusche nehmen zu können und mich aufzuwärmen.

Nach dem Nachtessen (Spiegeleier und Salat, aber viel Flüssiges), vertrete ich mir die nun trockenen Füsse. Einige Steinhäuser im Nebel und eine Kirche. Um 20 Uhr beginnt die Messe. In der Beiz diskutiere ich mit einem Dänen, einem Ehepaar aus Norwegen, einem Italiener und einer Frau aus Kalifornien bis es Zeit ist, ins Bett zu gehen.