Jakobsweg

Tuesday, October 18, 2005

30. Reisetag Leon-Castrillo de los Polvazares





















(Das Fenster meines Zimmers, oberhalb des Restaurant-Eingangs. Rechts mein Velo unter Plastik. Dorfstrasse von Castrillo de los Polvazares)
Leon - Castrillo de los Polvazares
Die ganze Nacht regenete es. Als ich das Hotel verlasse um eine Cafeteria für das Frühstück zu suchen, hört es aber gerade auf. Das Wetter entwickelt sich während des Tages positiv, nur die Temperatur bleibt tief. Nach 250Km Meseta, so heisst diese Hochebene zwischen 800 und 950m ü.M, beginnt sich heute die Landschaft etwas zu ändern: Buschwälder und am Horizont die Montes de Leon.
Die Stadt Astorga steht heute auf dem Besuchsprogramm. Beeindruckend der Palacio Episcopal von Gaudi, das auch ein Pilgermuseum beinhaltet. Vermutlich war Disney vor dem Bauch von Disneyland einmal hier, die Ähnlichkeit ist erstaunlich.
Ich muss gestehen, dass langsam eine Sättigung bezüglich der Besichtigung von Kulturgütern eintritt. Ich habe bereits so viele schöne Sachen gesehen, dass "Neues" sehr oft einen Déja-vu-Effekt auslöst.
Nach einer kleinen Kostprobe von Süssigkeiten, die hier typisch sind, geht es weiter zum Etappenziel. Man gblaubt sich hier ins Mittelalter zurückversetzt! Castrillo ist das hübscheste Dörfchen, das ich auf meiner Reise sehen durfte. Zwei kleine Hotels, beide angeblich mit sehr guter Küche. Das erste Mal auf meiner Reise durch Spanien esse ich wirklich sehr gut. Ein Carpaccio von einer Qualität wie ich es noch nie ass (erstklassiges abgehangenes Rindfleisch), gefüllte Zwiebeln mit Bonito (Thon-ähnlich), Spargeln an einem Zwiebelpurée mit Schinken. Desserts bestelle ich - da ich mich nicht entscheiden kann - zwei! Ich weiss nicht ob ich das hier schreiben darf, aber ich bin der einzige Gast und werde umhegt von der einzigen Köchin......doch keine falschen Gedanken, es ist beim Essen geblieben!
Das Restaurant öffnete erst um 21h. Also sass ich alleine auf einer Mauer am Dorfplatz und durfte sehen, wie der Vollmond zwischen den Giebeln der Steindächern aufstieg. Absolute Stille - das Dorf ist wie ausgestorben!

Heute bin ich nervös. Ob es der Vollmond ist oder der grosse Respekt vor der morgigen Etappe auf 1'500m oder etwa die Tatsache, dass Santiago nur noch 300Km entfernt ist und meine Reise sich langsam dem Ende nähert. Ich weiss es nicht!

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