Jakobsweg

Sunday, October 23, 2005

35. Reisetag Melide - Santiago



















("Matamoros", Jakob als Morentöter, René aus Dänemark und ich beim Mittagessen in Santiago und die Kathedrale von Santiago)

Melide - Santiago
In Melida läuft was, besonders samstags: In der Pizzeria, wo ich um 21 Uhr als einer der ersten Gäste eintraf, kam die Dorfjugend um 22 Uhr, was für Spanien eine völlig normale Zeit zum Nachtessen ist. Als ich dann um 23 Uhr ins Bett stieg, ging die Geburtstagsparty im Restaurant des Hotels los und dauerte bis 03 Uhr. Trotzdem steige ich um 07.30 Uhr fit und motiviert aus dem Bett, esse mein Frühstück und fahre um 09 Uhr los. Noch 54 km, das sollte vor 12 Uhr - Beginn der Pilgerpredigt in der Kathedrale von Santiago - möglich sein.
Um 11.45 Uhr treffe ich vor der Kathedrale ein und bin erstaunt über den Menschenstrom, der sich ins Innere bewegt. Noch nie habe ich eine Kathedrale so überfüllt gesehen. In den Seitenkorridoren sind TV montiert, für diejenigen - wie ich - die keinen Platz mehr finden.
Die Athmosphäre in diesem Monumentalbau ist schon sehr beeindruckend. Nach dem Gottesdienst, während dem die Herkunft der heute angekommenen Pilger bekanntgegeben wird, gehe ich zum Pilgerhaus, um mein Zertifikat abzuholen. Da spricht mich doch tatsächlich einer mit Namen an. Es ist ein Däne, der ebenfalls mit dem Velo unterwegs ist und den ich in O Cebreiro kennenlernte. Kurz entschlossen gehen wir in ein Fischrestaurant und stossen auf unsere Pilgerreise mit einer feinen Flasche Albariño an. Die Seezunge ist so köstlich wie der Wein und "we have a good time".

Wie ich mich gefühlt habe? Nun auf der Fahrt juchzte ich einige Male und als ich an der Ortstafel Santiago vorbeifuhr, standen kurz alle Haare zu Berg, musste mich aber sofort wieder auf den Verkehr konzentrieren. Auf der Steinmauer des Praza do Obradoiro - umringt von beeindruckenden Monumenten - wurde mir klar, dass ich die 2'120 km hinter mir habe und liess die unvergesslichen 5 Wochen Revue passieren.

Was habe ich mitgenommen und was hat mich am meisten beeindruckt? Eine grosse Dankbarkeit empfinde ich. Dankbar für mein schönes Leben. Ich hatte während 5 Wochen ein kleines Guckloch in das Leben vieler Menschen und sehe wie privilegiert ich auf dieser Welt bin. Beeindruckt haben mich die Landschaften, die Düfte, die regionalen Lebensmittel und natürlich die vielen Monumente und Kunstwerke. Die Kirchen von Nasbinals, Fromista, die Kathedralen von Burgos und Santiago und das Museum von Santo Domingo. Was mich auch beeindruckt hat, dass in Spanien keine Bar ohne laufenden TV und Weihnachtslotterie-Lose gibt.

Wie geht es weiter? Eigentlich wollte ich morgen mit meinem Stahlross nach Finisterre fahren um die Reise am "Ende der Welt" (bis 1492) zu beenden. Die Wetterprognose ist jedoch für Dienstag und die folgenden Tage so schlecht, dass ich wahrscheinlich den Autobus nehmen werde. Balz Stump wird entscheiden, wann ich in die Schweiz zurückkehren werde. Irgendwann zwischen Mittwoch und Freitag.

Euch allen, die meinen Blog gelesen habt, danke ich für Eure Begleitung. Besonderen Dank all denjenigen, die mir einen Comment geschickt haben.

Es war eine schöne Zeit und ich werde Santiago und seine Kunstwerke noch bis zum letzten Tag geniessen.

PS: Natürlich werde ich mich von Finisterre melden....

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