36. Reisetag Santiago!

(Stimmungsbild mit Schirmen vor der Kathedrale)
Santiago!
Kurz nach 09 Uhr telefoniere ich mit Balz Stump bezüglich der Rückreise. Alternative zum Donnerstag Nachmittagsflug, bei welchem das Risiko besteht, dass ich Genf "strande", ist ein Morgenflug am Mittwoch. Das ist ja schon übermorgen! Plötzlich packt mich der Wunsch nach Hause zu kommen. 07.15 Santiago Departure. OK. Gebucht.
Nun aber die Frage bezüglich Finisterre: soll ich nun schnell mit dem Bus hinfahren um das "Ende der Welt" zu sehen und dafür kaum mehr Zeit für Santiago und seine Sehenswürdigkeiten haben? Nach einigem Hin und Her entscheide ich mich gegen eine Fahrt ans "Ende der Welt".
Die Altstadt von Santiago bietet viel an Sehehswertem. So zieht es mich am Mittag wieder in die Kathedrale um dieses monumentale Show der Pilgerpredigt um 12 Uhr nochmals mitzuerleben. Wiederum war die Kathedrale überfüllt. Um 12.40 Uhr kamen 8 Messdiener (kräftige erwachsene Männer) und zogen den ca 1 Meter grossen Weihrauchkessel an einem dicken Seil in die Höhe, brachten ihn zum Schwingen. René der Däne hatte mir am Vorabend erzählt, dass dieses Ritual, das gemäss den mir vorliegenden Führern nur an ganz bestimmten Tagen zelebriert wird, bereits am Sonntag erfolgte. Welch ein Glück für mich, dies nun erleben zu dürfen. Es ist schwer zu beschreiben und kaum vorstellbar, wie dieser Weihrauchkessel wie ein Pendel im Querschiff der Kathedrale zur Seite je ca 25 m (50 m gesamthaft) und vertikal vermutlich auch 25m bis knapp unter die Decke schwingt. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dieses Ritual, das von der wunderbaren Stimme einer Nonne begleitet wird, mir kalt den Rücken hinunterlief und sämtliche Haare zu Berg stehen liess. Ebenfalls beeindruckend ist es, während der Predigt die Verschiedenheit der Anwesenden zu beobachten: Die Pilger aus der ganzen Welt, die - ihre Rucksäcke und Wanderstöcke oder -stäbe neben den Bänken deponiert - teils erschöpft, alle aber andächtig der Zeremonie folgen, die gläubigen Spanier, teils mit den Gesichtern in ihren Händen, mit gefalteten Händen, teils in den Bänken kniend. Eindrücklich, was ich hier erlebe.
Wiederum treffe ich René, den es auch wieder in dieses Gotteshaus gezogen hat. Er wollte nochmals emporsteigen und am Rücken von Santiago die goldene Muschel berühren, nachdem er dort am Vortag ein wahres Kraftfeld gespürt hat. Das Erlebis habe sich wiederholt, jedoch nicht mehr in derselben Stärke, erzählte er mir nach der Zeremonie.
Am Abend trafen wir uns dann wieder um gemeinsam das Ende unserer Reise zu feiern. Ich wäre eigentlich gerne eine Paëlla essen gegangen. Er war eher für Fleisch und so entchieden wir uns für das Restauants des 5-Stern Hotels Paradores, direkt neben der Kathedrale. Wir liessen uns nicht lumpen und bestellten ein 6-Gang Menu mit einer feinen Flasche Ribera. Zum Abschluss des Abends setzten wir uns nochmals einige Minuten auf die Steimauer und genossen den - verregneten - Anblick der Kathedrale.

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